Die Fußballseele jubelt!

Die Fußballseele jubelt!

All jene, die mich näher kennen, wissen eines ganz genau: Ich bin ein richtiger Sportmuffel. Auch meine Begeisterung für 22 durchtrainierte, schwitzende Männer, welche euphorisch über den Rasen laufen und sich immer wieder abbusseln, hält sich sehr in Grenzen.

Aber gestern Abend war dann doch alles ein wenig anders:
FußballDass mein Mann sich solch ein Fußball-Ereignis nicht entgehen lässt und sich gemütlich vor den Fernseher knozt, war ja absehbar. Doch auf einmal weht mir süßlicher Popcornduft in die Nase – und meine Tochter (!) richtet sich auch gemütlich im Wohnzimmer ein! Na da schau ich aber! Nachwuchs-Fußball-Begeisterung in den eigenen Reihen? Das gab´s ja noch nie!
„Mama, ich hab das letzte Qualifikationsspiel mitgeschaut – jetzt will ich auch wissen, wie es mit unseren Burschen weiter geht!“

Gut. Meine Familie also sportbegeistert versorgt. Kann ich mich in Ruhe zum Computer verziehen und noch ein wenig arbeiten.

weit gefehlt….!

Also wie gesagt: ich kenn mich so gar nicht aus. Doch mit einem mal spür ich richtige Begeisterungswellen in unserem Wohnzimmer. Die Anspannung steigt. Euphorie macht sich breit. Also frag ich dann doch mal nach, worum´s denn heute eigentlich geht? die Hintergründe diese Fußball-Spiels…

FußballAn dieser Stelle erfahr ich auch erstmalig, dass es ein Auswärtsspiel ist! Das war von Anfang an für mich nicht ersichtlich – bzw. hörbar!
Ranghohe österreichische Politiker in den Zuschauerrängen, lautstarke gesungene Österreichische Bundeshymne, Fahnen und Transparente, und diese Sprechchöre: „Immer wieder Österreich!“  Sie übertönten das gesamte Stadion! Ich dachte ehrlich, es wäre ein Heimspiel – die Schweden waren ja gar nicht zu hören! (abgesehen von den Buh-Rufen beim österreichischen Elfmeter…)

Ich ließ mich also anstecken und verfolgte das Spiel mit. Es war von Anfang an spannend und das Endergebnis natürlich fantastisch! 4:1! EM wir kommen! Vielleicht doch nächstes Jahr Urlaub in Frankreich….?

Der Tag danach

Wirklich spannend für mich aber waren die Interviews heute, am darauffolgenden Morgen. Die bisherigen Trainerpersönlichkeiten des österreichischen Fußballs habe ich nicht verfolgt, kann also mit keinen Details aufwarten. Allerdings bekam ich schon nebenbei immer mit, dass der Trainer der erste war, der von den Medien immer verrissen wurde, wenn ein Spiel in die Hosen ging, dass selbst eingefleischte Fußball-Fans bei diversen Quali-Spielen sich nicht zwischen Hoffnung und Realität entscheiden mochten, der österreichische Fußball an sich insgesamt – wie soll ich sagen – wir waren halt nie vorn dabei, oder zumindest nicht lang.

Auf Ö3 hörte ich heute morgen ein kurzes Interview mit dem Teamchef Marcel Koller. Auf die Frage, ob er sich das vor 4 Jahren schon hätte träumen lassen, kam ohne Überlegen folgende Antwort:
„Ja klar. Ich hab gewusst, dass es so läuft. Ich habe das Potential der Spieler erkannt. Sonst hätte ich ja gar nicht verlängert.“

Da wurde ich hellhörig. Bisherige Fußball-Interviews, welche ich zumindest kannte, drehten sich um Taktik, Angriff, Verteidigung, gefüllt mit sprachlichen Stolpersteinen, welche in den Medien immer wieder verrissen wurden.

„Potential erkannt“…???

In einem anderen Interview mit dem ORF erklärt Koller, dass ihn die Themen Menschenführung und Psychologie sehr interessieren. „Der Umgang miteinander und soziale Kompetenz sind wichtig. Das ist eine Materie, die mich interessiert und in der Gruppe wichtig ist. Speziell, wenn man mit 40 Personen zusammenarbeitet.“

FußballDas sind ja echt mal neue Töne. Aussagekräftig und erfolgsorientiert.

Ich fand noch weitere Statements der Spieler im Internet:

Zlatko Junuzovic: Wir haben genau das, was wir uns vorgenommen haben, perfekt umgesetzt.

Robert Almer (Torhüter): Dafür haben wir lange gearbeitet und sehr viel geopfert. Im Spiel ist man so fokussiert, dass man es nicht mitkriegt. Man versucht einfach, die Bälle zu halten.

Marc Janko:  Aber wir sind mittlerweile soweit, dass wir an unsere Stärken glauben.

Erkennt ihr, was dieser Trainer anders gemacht und geleistet hat? Er hat den Spielern Stärke, Kraft und Glauben vermittelt. Er hat ihr Potential erkannt. Ziele gesetzt. Durch nichts davon abbringen lassen. Sie sind fokussiert, zusammengewachsen und glauben an sich.
Und schon vor 4 Jahren hat er gewusst, wo sie heute stehen. Nicht als Wunsch. Nicht als Traum Sondern als Ziel. Als konkret erklärtes Ziel, welches keine andere Umsetzung zulässt.
Und er hat es geschafft, die soziale Kompetenz der Spieler zu unterstützen, daran zu arbeiten, an einem Strang zu ziehen, Gemeinschaft zu fördern.

Dass ihm das ziemlich gut gelungen ist, zeigt auch dieses Statement von Marko Arnautovic: „Wir sind nicht nur eine Mannschaft, sondern auch eine Familie, und eine Familie versteht sich besser als eine Mannschaft.“

Gibt es denn ein schöneres Kompliment?

Also insgesamt ist es jetzt noch nicht so, dass es mich beim Wort „Fußball“ vom Hocker reißt, aber Marcel Koller hat mich neugierig gemacht. Diese psychologische Führungsschiene zeugt von Qualität und Menschenkenntniss. Ich will wahrlich nichts verschreien – aber der gestrige Erfolg gibt ihm Recht. Er hat großes geleistet. Zum ersten mal hat sich Österreich aus eigener Kraft für die Fußball-EM qualifiziert!
Er hat aufgezeigt, dass Psychologie, soziale Kompetenz und der Umgang miteinander mindestens genauso Spiel entscheidend sind wie Spieltaktik, Kraft und Ausdauer.

Weiter so Burschen! Auf ein „Immer wieder Österreich!“ 🙂

Eure Birgit Leonhartsberger

 

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