Eigenlob stinkt…?!

Eigenlob stinkt…?!

Folgende Situation hatte sich letztens bei uns zuhause abgespielt:

Meine Tochter hatte einen Tag voller Herausforderungen: zum einen 2-stündige Mathe-Schularbeit und am gleichen Tag abends dann noch Übertrittsprüfung in Klavier. Letztere hatte sie natürlich schon wochenlang beschäftigt. Mehrere verschiedene Stücke in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Jeden Tag übte sie die gleichen Lieder – die Begeisterung dafür wurde mit jedem Tag geringer, je näher die Prüfung heran rückte. Ich bewunderte ihre Ausdauer, jeden Tag auf´s Neue. Sie ließ sich einfach nicht unterkriegen.

Klavier
Mathe – tja, das ist auch eine besondere Herausforderung. Sie ist sehr gut in der Schule und immer fleißig. Zum Glück ist sie wissbegierig und lernt relativ leicht. Trotzdem stellte diese Schularbeit eine besondere Hürde dar: Das Benotungssystem ist dem der Zentralmatura angepasst und somit richtig teuflisch! Ich will mich ja hier nicht über dieses Bewertungssystem auslassen, aber es fokussiert sich mehr darauf, was die Schüler nicht schaffen, als darauf, die geschafften Aufgaben hervor zu heben. Genauere Erläuterungen würden den Rahmen hier sprengen, aber eines sei euch gesagt: Die erste Mathe-SA musste prompt wiederholt werden, trotzdem die gesamte Klasse in Mathe eigentlich sehr gut ist.
Langer Rede kurzer Sinn: Meine Tochter stand innerlich ziemlich unter Druck, freute sich nur mehr auf den Abend des besagten Tages, wenn endlich alle Aufgaben geschafft wären.

Sie hatte dann auch tatsächlich alles bravourös gemeistert! Und als sie so vor mir stand und mir voller Stolz von ihrem besonderen Tag erzählte, sagte ich zu ihr: „Nimm´jetzt mal deine rechte Hand und leg sie auf deine linke Schulter“ – sie schaute mich verwundert an, tat es aber – „Und jetzt klopf´dir mal selbst auf die Schulter! Gönn´dir mal ein Eigenlob! Das hast du nämlich wirklich super gemacht!!!“ – sie schaut mich an, schüttelt den Kopf, denkt sich innerlich wahrscheinlich „jetzt ist sie komplett verrückt geworden!“, dreht sich um und geht.

Auf der Suche nach Bestätigung

Eines ist doch wirklich komisch: Einerseits fällt es uns sehr schwer, mit dem Lob anderer umzugehen: „naja, so toll war ich ja gar nicht. war ja gar nicht so besonders“. Wenn wir ein Kompliment erhalten erröten wir, Augenaufschlag nach unten, ein verschämtes „Danke“. – Doch innerlich erfüllt es uns mit Stolz. Es motiviert uns zu mehr. Eigentlich zaubert es ein Lächeln in unser Gesicht – nur trauen wir uns nicht diese Freude in ihrer ganzen Größe nach außen zu tragen.

eigenlob

Andererseits erhalten die meisten Dinge, Aktionen in unserem Leben  doch erst Bedeutung, wenn wir sie mit anderen teilen können. Wenn andere Menschen auf uns reagieren. Wenn es niemandem auffällt, was wir tun, sind wir traurig oder frustriert. Manchmal müssen wir die Menschen in unserer Umgebung zwar erst mit der Nase drauf stoßen – „hast du´s nicht bemerkt? Ich hab heute das oder jenes getan“ – aber nur so fühlen wir uns in unserem Tun bestätigt. Wenn der andere nicht sieht, was wir tun, ist es ja quasi gar nicht geschehen, oder? Aber Eigenlob, um bemerkt zu werden?

Wisst ihr was erfolgreiche Menschen von uns „Normalen“ unterscheidet? Erfolgreiche Menschen wissen, dass sie gut sind. Dass ihr Tun sie ihrem persönlichen Ziel näher bringt. Dass andere Menschen zu ihnen auf sehen, manche so sein wollen wie sie. Erfolgreiche Menschen sind daher auch nicht auf das Lob anderer angewiesen – sie tun so, wie SIE es für richtig halten. Mit hoch erhobenem Haupt. Vor Stolz geschwellter Brust. Selbstüberzeugung. Zielstrebigkeit.
Erfolgreiche Menschen sind nicht vom Lob anderer abhängig. Warum?….. Sie loben sich selbst. Eigenlob – jeden Tag. Jeden Morgen stärken sie ihr Ego für die Aufgaben, die vor ihnen liegen. Eigenlob – jeden Abend. Sie loben sich für das, was sie an diesem Tag geschafft haben. Zu Beginn fühlt es sich bestimmt blöd an. Aber mit jedem Tag wird es zur Routine.Und dein ICH beginnt an dieses Eigenlob zu glauben.

Also, stinkt Eigenlob wirklich?

Lessing meinte: „Seines Fleißes darf sich jedermann rühmen.“ Bei wirklich herausragenden Leistungen ist Eigenlob also auch traditionell gerechtfertigt.
Meiner Meinung nach liegt das Problem darin, dass wir die Anforderungen an uns schon so hoch stellen, dass uns Handlungen des Alltags gar nicht mehr als herausragende Leistungen vorkommen, somit dann auch kein Grund besteht, uns selbst zu loben.

Ist es denn keine Leistung, wenn die Mutter jeden Tag das Jausenbrot für ihre Kinder herrichtet? Der Vater Gute-Nacht-Geschichten vorliest, damit sein Kind gut schlafen kann? Der Held der Familie Spinnen vor´m grausamen Tod durch hysterische Schuhe bewahrt? Eine Freundin die andere zu einem Spaziergang entführt, um wieder auf andere Gedanken zu kommen? Freunde, die einander zuhören; Taxiservice der Eltern; Shoppingtour mit den Großeltern; gemütlicher Spieleabend; eine Umarmung; ein Kompliment; ein Kuss; ………. Diese Liste ließe sich ENDLOS weiter führen! So viele Kleinigkeiten, die eines Eigenlobs würdig sind, die unseren Alltag erheitern können, unser Leben zu etwas ganz besonderem machen!

Familie

Mit Eigenlob zu guten Gefühlen

Wäre es nicht wunderbar, wenn wir eine ganz private Quelle voll an gute Gefühlen für uns hätten, die nie versiegt? Auf die wir jederzeit zurückgreifen könnten, wenn mal nicht alles so läuft wie es sollte?

Ich mache folgendes: Ich habe mir ein kleines Erfolgs-Tagebuch angeschafft: ein Layout, welches mir gefällt, dazu ein Stift, der so hübsch ist, dass ich Freude spüre, sobald ich ihn sehe. Am Abend vor´m schlafengehen denke ich noch mal über meinen Tag nach: Was habe ich heute geleistet? Was habe ich heute gut gemacht? – und diese Dinge schreibe ich auf. Schon während dem Schreiben merke ich, wie ich stolz auf mich werde – nicht im Sinn von Selbstbeweihräucherung, sondern weil ich etwas Gutes geschafft habe! Eigenlob vor´m Einschlafen! Aber wie schon gesagt: konzentriert euch auf die kleinen Dinge! Nicht alles was im Kern gut ist muss immer riesengroß oder perfekt sein!

sun and clouds

Und manchmal, wenn ich das Gefühl habe, dass mein Leben stagniert, dass ich nichts von dem, was ich mir vornehme weiter bringe, dass meine Alltagshandlungen keinen Wert haben, sondern eben nur Alltag sind – dann nimm ich dieses kleine Buch und lese darin – und mit einem mal wird mir wieder deutlich bewusst, das auch ich in Wahrheit großartig bin!

Stop existing! Start living!

Eure Birgit Leonhartsberger

2 Replies to “Eigenlob stinkt…?!”

  1. Schön!!
    Gefällt mir sehr wie du da mit deiner Tochter umgehst!
    Eigenlob ist meiner Meinung sehr wichtig da es den Geist und das Selbstvertrauen stärkt.
    Ich habe mal einen 180 kg schweren Mann kennengelernt der eine unglaubliche Ausstrahlung besaß und auf der Bühne eine sehr gute Figur machte.
    Ich fragte ihn wie er mit diesen 180 kg so ein Selbstvertrauen haben kann.
    Er sah mich an und sagte, “ ich stehe jeden Tag in der Früh und am Abend vor dem Spiegel und sage mir ‚ich bin ein Geschenk für die Welt‘ “
    Meiner Meinung nach sollte das jeder tun! 🙂

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