Wirtschaftliches Denken als Konfliktlösung

Wirtschaftliches Denken als Konfliktlösung

Gleich mal vorneweg: Bis vor wenigen Monaten hatte ich nicht viel über für Wirtschaftliche Denkmuster. Ich hatte nicht viel Ahnung darüber, bzw. es fehlte mir definitv an Interesse. An der Uni hatte ich gezwungener maßen auch VWL und BWL als Prüfungsfach – schaffte sie auch mehr recht als schlecht, aber ehrlich – Interesse = null!! Ich konnte überhaupt nicht nachvollziehen, wie sich jemand freiwillig und mit Begeisterung (!) mit solch trockenen Themen auseinandersetzen konnte! Bewunderte aber im Gegenzug immer diejenigen, die es schafften, selbständig ein Unternehmen auf die Beine zu stellen und dieses dann auch erfolgreich zu führen. Abseits davon sah ich aber auch keine Notwendigkeit bzw. Einsatzmöglichkeiten für wirtschaftliche Denkstrukturen.

KonfliktIn den letzten Monaten hat sich das etwas verändert. Ich habe erkannt, dass jede Form der Beziehung, jedes private Projekt, welches auf seine Realisierung wartet, jeder Wunsch, der erfüllt werden soll, mit einer Sache gleichgesetzt werden kann: mit der erfolgreichen Führung eines Unternehmens.

Lassen wir uns mal auf diesen Gedanken ein….

ErfolgWas macht ein erfolgreicher Unternehmer? Zunächst mal hat er eine Idee, eine Vision. Die ist so stark, dass er ganz genau weiß, wie das Endergebnis aussehen soll. Dieses Bild führt er sich jeden Tag vor Augen. In dem Wissen, dass viel Arbeit und Zeit für die Umsetzung nötig ist, wird er sich in der Startphase mit nichts anderem beschäftigen und alles ausblenden, was ihn von seinem Weg abbringen könnte. Er zieht nicht in Erwägung, zu scheitern. Er ignoriert die Stimmen, welche ihm sagen, dass er es ohnehin nicht schaffen könnte. Er denkt nicht über Plan B nach – Plan B würde ihn nur von Plan A ablenken. Er hat eine Vision!
Dann folgen genaueste Planungen: benötigte Mittel, verwendete Ressourcen, Arbeitskräfte, Finanzierung, Zeitmanagement, Zielvorgaben, ….
Und immer wieder der Blick: wo bin ich jetzt? wo will ich hin? hab ich mein Soll erreicht? welche Konflikte treten auf? was muss ich ändern? – Und danach wird gehandelt!
Würde er das nicht tun, würde sein Unternehmen wahrscheinlich auf kurz oder lang scheitern.

Münzen wir diese Gedankengänge doch mal auf unser Leben um…

Wie verhalten wir uns, wenn uns der Alltagstrott wieder mal überrollt, bei auftretenden Konflikten oder diversen Wünschen?

Meistens handeln wir einfach drauf los. Wir überlegen kurz das Für und Wider, bei größeren Veränderungen befragen wir vielleicht unseren Partner oder Freunde, manchmal hören wir auf unseren Kopf, manchmal auf unser Bauchgefühl – und los geht´s! Gefolgt von Gedanken wie „ich probier´s halt mal. Wenn´s nicht klappt, dann hat´s halt nicht sein sollen…“ Und wenn´s nicht funktioniert, lassen wir die Idee wieder sausen und kehren enttäuscht in unsere gewohnten Lebensbahnen zurück. War halt doch nichts für uns…

Anderes Beispiel: Wodurch entstehen eigentlich die meisten Konflikte? So manche scheinbar sinnlose Streiterei? Meiner Meinung nach sind es hauptsächlich 2 Dinge:

Konflikt

 

1) banale Alltagskleinigkeiten
2) Missverständnisse

 

Diese alltäglichen Streitauslöser kennt wohl ein jeder: Zahnpastatube nicht zu, leere Klopapierrollen werden nicht ausgetauscht, Klodeckel nicht zugeklappt, Schultasche liegt im Weg, Jacke nicht aufgehängt, leeres Milchpackerl im Kühlschrank, gebrauchtes Geschirr bleibt nach der gemütlichen Fernsehsession einfach am Wohnzimmertisch stehen, und so weiter…. All diese Dinge bleiben immer an einem bestimmten Familienmitglied hängen (zumindest kommt es diesem so vor!), welches sich dann fühlt wie der Trottel vom Dienst. Endloses Konflikt-Potential.

Zum Thema Missverständnisse gibt´s nur eines zu sagen: Jede Medaille hat 2 Seiten. Jeder Mensch hat seine eigene Sicht der Dinge. Jeder lebt seine eigene Realität.
Die Frage ist nun folgende: bin ich denn auch bereit, mir die andere Seite anzusehen? Will ich denn überhaupt wissen, warum der andere tut,was er eben tut? Viel einfacher ist es doch, einfach mal zu granteln, wenn etwas nicht so läuft, wie ich es mir vorstelle. Auf meiner Meinung zu beharren. Gut – streiten wir halt wieder einmal – das gehört zu einer Beziehung eben dazu, belebt die Partnerschaft – er/sie wird sich schon wieder beruhigen…! Irgendwann setz ich mich dann schon durch, so wie ICH es will…

Ist das wirtschaftlich?

Das Idealbild eines Unternehmens beinhaltet doch folgendes: Nachhaltigkeit.
Es geht um den ökonomischer Einsatz von Ressourcen; darum, ein motivierendes und ausgewogenes Arbeitsumfeld für alle Mitarbeiter zu schaffen;  in regelmäßigen Abständen Mitarbeitergespräche zu führen, um positives Feedback abzugeben und zu erhalten, Konflikte zu beseitigen und etwaige Änderungsvorschläge vorzubringen;  es geht darum effizient zu arbeiten und die Produktivität zu steigern.

In unserem Team bieten wir natürlich auch Management-Schulungen und Sales-Trainings an. Allerdings – und das hat bei mir letztendlich das Umdenken bewirkt – auf White Label Basis. Das bedeutet losgelöst von etwaigen Marken, Produkten oder Dienstleistungen. Darunter kann man sich jetzt erstmal nicht viel vorstellen. Wie soll das funktionieren? Was bringt es mir? Ein Beispiel:

Familie = Management auf höchster Stufe

Jeder von euch, der in einer Lebensgemeinschaft oder einem Familienverband lebt, wird mir recht geben, wenn ich sage: nirgends anders treffen so viele verschiedene Meinungen, Emotionen, Weltanschauungen und Lebensweisheiten aufeinander, wie in einer Familie. Und das Spannende daran ist ja, dass diese Sichtweisen permanent Schwankungen unterworfen sind! Laufend gibt es neue Denkmuster und Gewohnheiten. Je nach Alter der Kinder verändern sich die Interessen, die Redensart, die Lebenslust, ….

KonfliktDas macht´s nicht immer leicht. Manchmal fehlen einem die Worte. Je nach Ausprägung der Pubertät wird es manchmal schwierig, Zuneigung zu zeigen. Und jedes Familienmitglied beansprucht seinen Platz in der Welt – an der Spitze der Hierarchie. Scheint dieser Platz gefährdet, reicht eine winzige Kleinigkeit und die Situation eskaliert. Bei genauer Betrachtung erkennt man dann auch für diesen Konflikt den Auslöser: Alltägliches oder Missverständnisse. Aber sind die Gefühle erst mal losgelassen, dringen vernünftige Erklärungen meist nicht mehr durch.

Familienrat um Konflikte im Keim zu ersticken

Wir haben einen wöchentlichen Familienrat einberufen. Jeden Sonntag gehen wir mittags in unser Lieblingslokal im Ort essen. Keine Überlegungen mehr: was soll heut am Speiseplan stehen, wen freut´s kochen, wer kauft ein, wer räumt den Tisch ab….? Wir gehen einfach auswärts essen. Wir haben dort schon unseren Stammtisch jeden Sonntag reserviert, die Kellner kennen uns mittlerweile bereits, wir werden freundlich begrüßt und fühlen uns sehr wohl.

Diese eine Stunde sind wir dann ja quasi „gezwungen“, miteinander an einem Tisch zu verbringen. Handys werden (wenn möglich) vom Tisch verbannt. Und dann geht´s los:

KonfliktWir planen die nächste Woche. Jeder sagt seine Termine, was muss gelernt werden, wann wird ein Elterntaxi gebraucht, Speiseplan der Woche? In weiterer Folge hat jeder die Möglichkeit, seinen Meinung zum Familienalltag zu äußern: was funktioniert gut, welche Dinge ärgern mich, was nervt jeden Tag auf´s Neue, was macht mir einfach nur Spaß? Welche getroffenen Änderungen funktionieren gut, wo gibt´s Verbesserungsvorschläge?
Jeder hat Mitspracherecht. Jeder bringt seine Sichtweise vor. Jeder sieht unsere verschiedenen Realitäten und entwickelt Respekt und Mitgefühl dafür.

Auf diese Weise haben wir gelernt, unternehmerische Denkweisen in unseren Alltag zu integrieren. Jede Woche arbeiten wir erneut daran, unser gemeinsames Projekt „Familie“ lebendig zu gestalten. Mit Nachhaltigkeit. Mit Erfolg. Denn uns ist eines bewusst:
Nur wer sich ändert, bleibt sich selbst treu.

Eure Birgit Leonhartsberger

 

 

 

 

 

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