Rituale: Morgenstund hat Gold im Mund

Rituale: Morgenstund hat Gold im Mund

„Morgenstund hat Gold im Mund.“ – dieses Sprichwort ist uns allen wahrscheinlich bekannt, und seine Kernausage unbestritten: am Morgen bin ich fit, ausgeruht, neu motiviert. Neuer Tag – neues Glück – neue Möglichkeiten…. RitualSprichwörter sind volkstümliche Aussagen, welche von Generation zu Generation weitergegeben werden. Sie beziehen sich meist auf ein Verhalten, auf Rituale, beruhend auf Lebenserfahrung – traditionell überliefert.

Jeder Mensch hat im Laufe seines Lebens sein eigenes individuelles Morgen-Ritual entwickelt. Unbewusst starten wir jeden Tag auf die gleiche Art uns Weise: bestimmte Frühstücksgewohnheiten, Kaffee oder Tee, sportliche Aktivitäten, Meditation, Zeitunglesen, To-Do-Listen erarbeiten, E-Mails checken, …. Manche tun auch einfach gar nichts Bestimmtes und lassen sich einfach in den Tag treiben…

Ritual

Ein Unglück kommt selten allein….

Folgende Tatsache ist die Wichtigste überhaupt – sie gilt es zu beachten, um jeden deiner Tage erfolgreicher zu gestalten:
Die erste Stunde nach dem Aufstehen ist entscheidend. Sie beeinflusst ganz wesentlich den weiteren Tagesverlauf. Sie bestimmt die Richtung, welche wir einschlagen werden. Sie prägt unser Denken, unseren Stresslevel, unsere Motivation, unsere Produktivität.

Das negative Beispiel für diese These kennen wir alle:
Der Wecker klingelt – wie immer viel zu früh! Ich drück ihn weiter …. noch mal 10 min … noch mal 10 min … noch mal -aaaah! ich komm zu spät!!! Schnell raus aus dem Bett, rein ins Gewand – wo finde ich jetzt frische Socken? Der Türstock steht wie immer im Weg: autsch – meine Zehe! Kaffee machen, klasse! Milch ist sauer. Gang ins Bad, Blick in den Spiegel: ich kenn dich zwar nicht, aber ich frisier dich trotzdem. Am Weg zur Haustür, um die aktuelle Zeitung zu holen, rutsch ich fast auf den Fliesen aus: aha, die Katze fand den Weg zum Kisterl nicht.
Step by step wird mir eines klar: dieser Tag wird zum Vergessen! 🙁
Vielleicht hilft ja die Zeitung, um gute Laune zu finden: Politik, Schulden, Bankrott, Diskussion, Verkehrsunfälle, Mord, Schlägereien, Asyldebatten, ja und Leserbriefe! Die sind wenigstens interessant: was denken denn die anderen? Siehste: die sind genau so unzufrieden wie ich!
Was muss ich heut noch alles organisieren? Was ist zu tun? Keine Zeit zum Nachdenken. Egal. Wird schon nicht so wichtig sein. Am Abend hab ich bestimmt bessere Ideen.
RitualRein ins Auto – Zeit ist jetzt schon wirklich knapp – schnell…schnell…schnell… Stau. Der eine hupt, der andere zeigt mir den Vogel, der dritte überholt so riskant, dass er beinah eine Massenkarambolage auslöst. Wieder mal nur Idioten unterwegs….!
Endlich im sicheren Büro angelangt. Schiefer Blick von meinem Kollegen (schon wieder 5 Min zu spät), Teambesprechung, Moralpredigt vom schlecht gelaunten Chef. Durchhalten… nur mehr 8 Stunden!

Erkennst du das System dahinter? Diese Spirale des Negativen, welche dich in ihren Sog bringt und immer weiter runter zieht? und noch weiter runter… und weiter… und – recht viel weiter runter geht´s jetzt dann aber bald nicht mehr!!!

Doch auch das Positive nimmt seinen Lauf…

Du ganz allein hast es in der Hand, in welche Richtung diese Spirale verlaufen soll! So wie du den Tag beginnst, so wird er weiter verlaufen. Du bestimmst dein morgendliches Ritual, deine Handlungen, deine Gedanken. So unbedeutend dies anfänglich erscheinen mag: wenn du deinen Tag bewusst startest, darauf achtest, was du tust und v.a. womit du dein Gehirn fütterst – wir erinnern uns: die erste Stunde nach dem Aufstehen ist entscheidend! – wirst du es schnell merken: du fühlst dich glücklich und zufrieden, deine Produktivität steigert sich scheinbar von allein, Hürden des Alltags sind leichter zu bewältigen, du wirst ruhiger und gelassener, weniger Ärger, weniger Stress, kleine Missgeschicke: halb so schlimm, nächstes mal probier ich es einfach anders.

RitualUnd all diese Emotionen werden sich wie ein roter Faden durch deinen Tag ziehen – und durch den nächsten – die ganze Woche – Monat – Jahr. Ganz automatisch wirst du andere Ergebnisse erzielen. Du wirst Menschen und Ereignisse in dein Leben ziehen, welche zuvor nur denen bestimmt waren, die ja ohnehin schon glücklich sind und alles haben. Und das nur, weil du dein Ritual am Morgen bewusst veränderst. Klingt nach einem erfüllten Leben, oder?

Welches Ritual ist für mich das Richtige?

Tja, das gilt es nun also herauszufinden. Schau dir deinen typischen Morgen mal ganz genau an: Wieviel Zeit hast du zur Verfügung? Beginnt der Tag hektisch? Frühstück? Sind noch andere Familienmitglieder zu berücksichtigen? Was liest du? Welches Radioprogramm hörst du? Welche Gedanken beschäftigen dich? Wie fühlst du dich? ….
Am besten, du schreibst dir dies auf. Klingt lächerlich? Ich find´s gut. Durch´s Niederschreiben wird einem der Inhalt noch mal ganz deutlich vor Augen geführt, schwarz auf weiß steht es da, kein Schummeln möglich.

Und jetzt überleg dir, was du daran ändern kannst und v.a. wie. Auf folgende Punkte solltest du achten:

Ritual*) ausreichend Zeit: Stress und Hektik sind absolut kontraproduktiv. Wie soll sich denn Gelassenheit und Zufriedenheit einstellen können, wenn jeder zweite Blick der Uhr gilt, gefolgt von Gedanken wie „Sch…. ich sollte schon längst….!“ Und wenn es dafür notwendig ist, dass du eine halbe Stunde früher aufstehst, gut! Ist halt so! Wenn du es konsequent durchziehst wirst du tausendfach dafür belohnt werden!

*) tu dir selbst was Gutes: Wobei fühlst du dich wohl? Durch welche Aktivitäten gelingt es dir Klarheit in deine Gedanken zu bringen? Bestimmte Musik, etwas Bewegung an der frischen Luft, ein leckeres Frühstück, Meditation, …  Versetz dich selbst in Glücksgefühle! Starte deinen Tag mit Freude!

*) keine Macht dem Negativen: Negatives verlangt nach Aufmerksamkeit. Und wenn es sich erst mal in deiner Gedankenwelt manifestiert hat, verbreitet es sich immer weiter, ganz automatisch, den ganzen Tag lang. Also überleg dir genau, mit welchen Informationen du dein Gehirn in der Früh füttern willst, bevor du die Zeitung aufschlägst oder dir Radionachrichten über Krieg, Politik und kriminelle Ereignisse anhörst.

Ritual*) sei dankbar und lobe dich selbst: Denk doch mal daran, was du schon alles erreicht hast. An die Menschen die du liebst, an jene, welche dich lieben. An all das Gute in deinem Leben. Sei dankbar dafür. Und sei dir bewusst, dass DU das alles geschaffen hast! Du ganz allein! Stell dich vor den Spiegel, lächle dir selber zu und sage dir, dass du spitze bist! So wie du bist! Dass du alles erreichen kannst! Absolut alles! Dein Unterbewusstsein wird es dir danken, dein Selbstbewusstsein wird gestärkt, deine Ergebnisse werden sich verändern!

*) erwecke deine Ziele zum Leben: Führe dir vor Augen, WARUM du bestimmte Dinge heute tust. Was spornt dich an? Welches Ziel willst du damit erreichen? Nichts in deinem Leben sollte ohne einem WARUM geschehen, nur damit halt etwas passiert. Denk immer daran: Du hast die Kontrolle! Sieh dir deine Zukunft an, fühle dein Ziel, starte mit diesen Bildern den Motor, der dich in Bewegung setzt.

Ritual*) To-Do-Liste: solche Listen sind hilfreich, um seine Gedanken zu sortieren, um Struktur in den Tagesablauf zu bringen. Allerdings sollten sie bereits am Abend erstellt werde. Somit kann ich beruhigt einschlafen – dieses Problem beschäftigt mich dann nicht mehr in der Nacht, und ich wache ausgeruhter auf. Am nächsten Tag kann ich dann gleich motiviert zur Tat schreiten, ohne weiter darüber nachzudenken. Ich kann mich morgens ganz entspannt meinen Ritualen widmen. Und abends erstelle ich dann wieder einer Kontroll-Checkliste: was habe ich heute geschafft, wo bin ich nicht ganz fertig geworden, was erwartet mich morgen?

*) mögliche Störfaktoren beseitigen: Du hast dir jetzt ein morgendliches Ritual zusammengestellt. Was könnte dich daran hindern, es auch durch zuziehen? Du könntest dir z.B. die Arbeitstasche schon am Vortag zusammenpacken, notwendige Kleidung zurechtlegen, die Joggingschuhe bereitstellen; kurz: alles, was wieder mit Stress und Hektik verbunden ist, alles, was dem inneren Schweinehund als Nahrung dienen könnte, bereits im Vorfeld eliminieren! Du bestimmst die Regeln!

Wie lange muss ich das Ritual durchziehen?

Alles, was du 30 Tage lang durchgehend tust, entwickelt sich zu einem Ritual. Zu Beginn fühlt es sich ungewohnt an. Erst nach mehreren Malen merkt man, ob es einem gut tut oder nicht – denk immer dran: du kannst alles wieder nach deinen Wünschen verändern! Nach 90 Tagen entwickelt sich ein Suchtverhalten: man kann nicht mehr aufhören, will es nicht mehr ändern.
Also halte durch! Es werden Tage kommen, wo du wieder in das alte Verhaltensmuster zurückfallen wirst. Gib nicht auf! Mach einfach weiter! Eines Tages wird dein neues Verhalten dir ganz selbstverständlich vorkommen, du wirst es genießen. Eines Tages wirst du einfach feststellen, dass seit geraumer Zeit so manches einfacher erscheint. Dass du komischerweise irgendwie glücklicher bist. Dass dich andere Menschen auf dein verändertes Verhalten ansprechen. Dass sich die Beziehung zu deinen Kindern verbessert hat. Dein Lebenspartner relaxter ist. Dein Leben insgesamt einfach schöner geworden ist! 🙂

Ritual

Ein kleines Beispiel zum Schluss

Während einer Rede an der US-Elite-Uni Stanford hat Steve Jobs (Apple-Gründer) einmal sein Morgen-Ritual verraten:
„Die vergangenen 33 Jahre habe ich jeden Morgen in den Spiegel geschaut und mich gefragt: ,Wenn heute der letzte Tag meines Lebens wäre, würde ich dann das tun wollen, was ich heute vorhabe, zu tun?‘ Und immer, wenn die Antwort ,Nein‘ zu viele Tage hintereinander kam, wusste ich, dass ich etwas ändern muss.“

Also schafft euch ein Ritual, welches eure positive Spirale in Gang bringt. Jeden Tag. Traut euch drüber und zieht es durch! Und denkt immer daran:

Nur wer sich ändert, bleibt sich selbst treu! 

Eure Birgit Leonhartsberger

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