Sieger in 2 Minuten!

Sieger in 2 Minuten!

Beim Sport sehen und erleben wir sie jeden Tag: Powergesten.
Radrennfahrer reissen die Arme in die Höh, sobald sie die Ziellinie überqueren, Läufer ebenso. Fußballer haben ohnehin die schrägsten Sieges-Rituale. Auch Tennisspieler bilden eine kraftvolle Faust, wenn sie einen wichtigen Punkt erreicht haben.
Ich erleb es auch beim Dart: ein lautstarker Brunftschrei und Arme hoch!

Sieger

 

Diese Sieger-Posen, diese Powergesten sind die ultimative Körpersprache des Erfolgs.

Sieger-Posen sind barrierefrei

Nonverbale Ausdrücke der Macht und Dominanz sind allgemeingültig, überall auf der Welt, und bereits uralt.
Im Tierreich begegnen sie uns laufend: zB. die Alphatiere der Primaten wachsen, sie machen sich größer, strecken sich, trommeln mit den Fäusten auf ihre Brust; oder denke an einen Schwan, der seine Flügel ausbreitet und sich streckt; an eine Kobra, die sich aufstellt, mehr Raum einnimmt und ihre Giftzähne zeigt – um ihre Macht zu demonstrieren.

Menschen tun ganz genau das Gleiche, wenn sie ständig über Macht verfügen oder sich in diesem Moment sehr mächtig fühlen.

Ausgesprochen interessant finde ich in diesem Zusammenhang eine Untersuchung von Jessica Tracy – sie ist Professorin der Psychologie an der University of British Columbia. Sie hat nämlich untersucht, ob diese Sieger-Gesten durch Nachahmung antrainiert werden. Sie hatte also 2 Testgruppen: die eine war sehend, die Menschen der anderen waren von Geburt an blind. Das Spannende dabei: es kam heraus, dass blinde Menschen im Moment des Erfolges – bei einem Sportwettkampf – genau das Gleiche tun wie die Sehenden, obwohl sie noch nie jemanden mit dieser Sieger-Geste gesehen haben: Arme über den Kopf im V-Format, Kinn in die Höhe gestreckt, Kopf hoch erhoben, Brust heraus!

Alpha- oder Betatier?

Wenn Alphatypen einen Raum betreten, begeben sie sich gleich in die Mitte, sie wollen gesehen werden. Wenn sie sich hinsetzen, nehmen sie viel Raum ein: sie strecken sich, verschränken die Arme hinter dem Kopf.

Wenn wir uns machtlos fühlen, tun wir genau das Gegenteil: wir ziehen uns zurück, machen uns klein, hocken zusammengefaltet am Stuhl, wollen nicht mit der Person neben uns in Berührung kommen.

Sobald Alphatypen das Zimmer betreten, fallen die anderen in sich zusammen. Man sieht es an ihren Gesichtern, an ihrere Körperhaltung, sie fühlen sich machtlos.

Eines gilt es zu beachten: wenn zwei verschiedene Machtpersonen aufeinander treffen, spiegeln wir NICHT das Verhalten des anderen wider. Sondern wir tendieren dazu, die nonverbalen Aktionen des Gegenübers zu vervollständigen. Das bedeutet: wenn jemand mit viel Macht vor uns steht, machen wir uns automatisch kleiner.

Das klingt jetzt vielleicht irgendwie abstrakt für dich – verschiedene Machtpositionen treffen aufeinander – aber das passiert uns ja ständig: Angestellter – Vorgesetzter, Lehrer – Schüler, Eltern – Kinder, selbst in diversen Gruppierungen, Freundeskreisen gibt es immer ein Alphatier, einen Leader, der automatisch die Führung übernimmt. Und dessen nonverbale Aktionen beeinflussen ganz wesentlich, wie die anderen Menschen über ihn denken und sich dabei fühlen.

Denk zB an Politiker, Verkäufer oder auch an Ärzte: deren Gestik und Mimik sind entscheidend dafür, ob wir ihnen vertrauen, bei ihnen kaufen, uns von ihnen mit gutem Gewissen behandeln lassen.

Können wir unsere Gedanken über unseren Körper steuern?

Die Frage, die sich nun stellt: bestimmen unsere nonverbalen Aktionen auch, was wir selbst über uns denken und fühlen? Bzw. würde das auch bei dem Gefühl von Macht funktionieren? Und wie kann ich das dann zu meinem Vorteil einsetzen?

SiegerWenn wir lachen, fühlen wir uns glücklich. Ganz automatisch. Das funktioniert aber auch dann, wenn wir zum Lachen quasi gezwungen werden: Halte mal einen Stift zwischen deinen Zähnen – albern – doch du beginnst zu Lächeln, fühlst dich glücklich.

Kann also unser Körper auch unser Bewusstsein verändern? Unsere Gedanken, unsere Gefühle, ja sogar die physiologischen Dinge, die unsere Gedanken und Gefühle steuern, also unsere Hormone?

Ein Sozial-Experiment:

Amy Cuddy,  Sozialpsychologin in Harvard, machte dazu folgendes Experiment:

Mächtige Menschen besitzen ein ganz besonderes Auftreten: sie sind bestimmter, selbstbewusster und optimistischer. Sie denken abstrakter und gehen mehr Risiken ein. Sie sind sich ihres Erfolgs bewusst. Doch Macht bedeutet nicht nur Dominanz, sondern auch Stressresistenz: wie reagiert man auf Stress, ist man leistungsstark, bestimmend, entspannt…

Amy Cuddy wollte herausfinden, ob wir unseren Körper bewusst in solch ein Sieger-Bewusstsein versetzen können. Sie nahm zwei Gruppen von Menschen und entnahm ihnen vor und nach dem Experiment eine Speichelprobe. Getestet wurde auf Testosteron (= Sexualhormon, Dominanz-Hormon) und Cortisol (= Stresshormon).

Diese Menschen wurden aufgefordert, 2 Minuten lang eine gewisse Körperhaltung einzunehmen: die eine Hälfte konzentrierte sich 2 Minuten allein darauf, ein Sieger zu sein: Körperhaltung wie ein Sieger, Gedanken voller Power, Sieger-Posen: Die andere Gruppe machte genau das Gegenteil: 2 Minuten devote Körperhaltung, sich klein machen, schlechte Gefühle hervor rufen.

Nach diesen 2 Minuten wurde ihnen die Möglichkeit auf ein Glücksspiel angeboten, und im Anschluss wieder eine Speichelprobe entnommen. Das Ergebnis war verblüffend: Die Risikobereitschaft (anhand des Beispiels mit dem Glücksspiel) war bei den Menschen mit der Viel-Macht-Pose gestiegen: 86% waren dazu bereit; bei den anderen waren es nur 60%: Der Testosteronspiegel stieg bei den Sieger-Typen um 20%, die anderen verzeichneten 10% Rückgang. Der Stresslevel war auch sehr beeindruckend: Bei der Viel-Macht-Pose sank der Cortisolwert um 25%, während er bei den anderen Menschen um 15% Anstieg.

SiegerZiemlich spannend, oder? Wie wir in 2 Minuten mit nonverbalen Aktionen unseren Körper beeinflussen können! Wäre es nicht toll, wenn wir das gezielt zu unserem Vorteil einsetzen könnten? In Situationen, wo eine Form der Bewertung stattfindet zum Beispiel? In einer sozialen Situation, welche bei uns Unbehagen oder sogar Angst hervorruft? – Denk mal an Verkaufsgespräche, wenn man einen Vortrag hält, Vorstellungsgespräche, oder Teenager in einer Gruppe während der Mittagspause….

Kann das Einnehmen einer Macht-Haltung für ein paar Minuten mein Leben wirklich in entscheidender Weise verändern?

SiegerAmy Cuddy führte einen zweiten Test durch: Auch dieses mal gab es zwei Gruppen von Menschen, welche 2 Minuten lang entweder die Macht-Haltung, oder die devote Haltung einnehmen sollten. Im Anschluss mussten sie ein Vorstellungsgespräch führen – 5 Minuten lang – vor einer Jury, welche aber dazu angehalten war, NICHT zu reagieren. Überhaupt nicht. Die Jurymitglieder saßen nur da, mit verschränkten Armen und ausdruckslosem Gesicht. Keinerlei Reaktion.

Diese Gespräche wurden auf Video aufgezeichnet und anschließend bewertet – in Bezug auf Strukturierung der Sprache, Qualifikationen und andere Variablen, die mit Kompetenz in Verbindung stehen.

Ratet mal, wie der Test ausging…. All jene, welche vor dem Gespräch die Sieger-Position eingenommen hatten, wurden von der Jury eingestellt! Dabei ging es aber nicht um den Inhalt ihrer Aussage, sondern um ihr Auftreten, um die Präsenz, die sie dabei an den Tag legten.

Fake it till you make it!

Unser Körper verändert also unser Bewusstsein. Unser Bewusstsein verändert unser Verhalten. Und unser Verhalten verändert unsere Resultate. – Und das ist es doch, was wir schlussendlich wollen, oder?

Also lasst uns solche Sieger-Posen öfter in unsren Alltag integrieren! Du brauchst dazu nur deinen Körper, Privatsphäre und 2 Minuten!

Entwickle deine persönliche Sieger-Pose! Und sag dir dazu deinen ganz persönlichen Motivationsspruch: „Ich hol mir den Job! Ich schaffe das! Ich bin erfolgreich!“ Kurz und prägnant.

Starte schon so in den Tag – als erfolgreicher und selbstbewusster Mensch! 2 Minuten in der Früh vor dem Spiegel: posen, posen, posen! Und du wirst sehen: du startest den Tag viel selbstbewusster! Du wirst sehr schnell Veränderungen in deinem Leben bemerken!

SiegerGönn´dir 2 Minuten in der Sieger-Pose vor der nächsten stressigen Bewertung: 2 Minuten – im Fahrstuhl, in der Toilette, hinterm Schreibtisch – stimm dein Gehirn darauf ein, bestmöglich mit der bevorstehenden Situation umzugehen! Zeig, wer du wirklich bist!  2 Minuten – diese können deinen weiteren Lebensweg in großem Maße beeinflussen!

Klar, es wird sich am Anfang ungewohnt anfühlen, irgendwie gekünstelt, doof aussehen. Doch hör nicht auf damit! Mach weiter, jeden Tag, bis du diese Einstellung eines Siegers komplett verinnerlicht hast! Fake it till you make it! Diese kleine wirkungsvolle Übung wird dein gesamtes Auftreten positiv beeinflussen! Diese kraftvolle innere und äußere Haltung wird ein Teil von dir werden. Fake it till you become it!

Die Veränderung beginnt im Kopf.
Und nur wer sich verändert, bleibt sich selbst treu!

Ich freu mich auf eure Kommentare und Erfahrungsberichte!
Eure Birgit Leonhartsberger

3 Replies to “Sieger in 2 Minuten!”

  1. Sehr schön geschrieben, allerdings bin ich eher davon überzeugt, dass es durch Posing eine Beeinflussung des Unterbewusstseins gibt. Hier wird aber vom Bewusstsein geschrieben, was ich eher als Irrtum bezeichnen würde. Das Zusammenspiel von Unterbewusstsein und Bewusstsein bei Entscheidungen ist übrigens auch ein schönes Thema.

    1. Hallo Carl Otto! Ich freue mich sehr über deinen Kommentar! Du hast natürlich Recht, was die Beeinflussung des Unterbewusstseins betrifft. Doch viele Menschen glauben ihrem Unterbewusstsein ausgeliefert zu sein, bzw denken gar nicht darüber nach, ob / wie sie es ändern könnten – v.a. in wichtigen Situationen. Und genau um das von dir angesprochene Zusammenspiel von Unterbewusstsein und Bewusstsein bei Entscheidungen geht es hier. Dass ich mein Unterbewusstsein, meine lang antrainierten Verhaltensweisen BEWUSST austricksen kann, mit Gott gegebenen Werkzeugen!
      Und wir wissen doch, dass alles, was wir regelmäßig über einen längeren Zeitraum machen, wieder zur Gewohnheit wird. Also wer weiß? Vielleicht können wir ja auf diese Art die uns hinderlichen Bereiche unseres Unterbewusstseins umtrainieren? Und mit neu antrainierten Verhaltensweisen herausfordernde Situationen erfolgreicher meistern…?
      Liebe Grüße, Birgit

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