Diagnose: Stress durch Aufschieberitis

Diagnose: Stress durch Aufschieberitis

Kennt ihr das Gefühl, wenn man abends im Bett liegt, hundemüde, zu keinem klaren Gedanken mehr fähig? Man will nur mehr einschlafen… Aber es funktioniert einfach nicht. Das Hirn dreht sich im Kreis; Tausend Dinge gehen einem durch den Kopf:
StressWie verläuft der morgige Tag? Wer holt die Kinder? Was steht in der Arbeit an? Glühbirnen brauchen wir dringend. Die Schularbeit der Tochter muss noch unterschrieben werden. Katzenfutter ist aus. Der Arzttermin muss verschoben werden. Wäsche muss ich noch zusammen legen… und so fort.

Die schrägsten Dinge fallen mir dabei ein. Ohne Zusammenhang. Ohne System. Aber eines haben all diese Gedanken gemeinsam: Sie erwecken ein kleines Teufelchen in meinem Hirn, welches mich immer und immer wieder daran erinnert, dass so manche – bereits aufgeschobene Dinge – heute wieder nicht erledigt wurden. Und was passiert? Stress macht sich im Kopf breit und setzt mich unter Druck: Tu es endlich. Morgen muss es sein. Du schiebst es eh schon so lange vor dich her.

Weitreichende Konsequenzen….

Bei all diesen Kleinigkeiten – und seien wir uns doch mal ehrlich: meistens sind es doch immer nur Kleinigkeiten, die wir vor uns herschieben – ist dann ein Phänomen zu beobachten:

Anfangs denken wir uns lediglich: Nein, freut mich heute nicht. Am nächsten Tag kommt halt grad irgendetwas Wichtiges dazwischen. Am darauffolgenden Tag passt das Wetter nicht. Und dann versuchen wir es langsam zu ignorieren. Fast erfolgreich – aber immer wieder ruft uns unser Hirn in Erinnerung, dass da doch noch diese eine kleine winzige Angelegenheit in der unerledigten (!) Zwischenablage liegt….

StressUnd wie geht´s dann weiter? Mit jedem Tag wächst das ungute Gefühl beim Gedanken an diese eine unerledigte Aufgabe, wir fühlen uns unter Druck gesetzt, Stress. Ganz besonders schlimm wird es, wenn andere Menschen involviert sind, diesbezüglich irgendwie von uns abhängig sind oder gewisse Terminvereinbarungen dadurch nicht eingehalten werden.
„Ui, Termin verpasst! Was wird sich der jetzt von mir denken? Wie peinlich! Da muss ich mir dann morgen (!) aber eine gute Ausrede einfallen lassen!“

Die Konsequenzen daraus reichen ja noch viel tiefer: Nimm beispielsweise ein Bild, welches du eigentlich schon seit einiger Zeit aufhängen möchtest, welches aber noch immer  vor der ihm zugedachten Stelle an der Wand auf dem Boden steht. Jedesmal – ausnahmslos jedesmal, wenn du daran vorbei gehst, wird dir bewusst, dass dieses Bild noch nicht an der Wand hängt. Und auch wenn du es im Vorbeigehen noch so sehr zu ignorieren versuchst, dein Unterbewusstsein bekommt alles mit. Ausnahmslos.  Und es speichert dich dann mit den dazugehörenden Gedanken: noch immer nicht erledigt, schon wieder verschoben, wann gedenkst du es zu tun? Jedes mal, wenn du an diesem Bild vorbeigehst, stärkt sich in dir der Glaube vom Versager, von einem Menschen, der nicht mal die einfachsten Dinge zusammenbringt. Solche Gedanken können doch gar keine Glücksgefühle auslösen, sondern wieder mal nur Stress.

Und dann – irgendwann – reicht´s uns. Endgültig. „Ich mach das jetzt.“
Und? Haben sich deine Befürchtungen bestätigt? Ist die andere Reaktion so ausgefallen, wie du es erwartet hast? War deine Nervosität gerechtfertigt? War es so umständlich, wie du es dir ausgemalt hast? Wahrscheinlich nicht. Meistens ist es doch so, dass wir uns nachher denken: so schlimm war das ja gar nicht. Warum hab ich das eigentlich nicht schon früher erledigt? Hätte mir ´ne Menge Stress ersparen können.

Die 30-Sekunden-Regel

StressSeien wir doch mal ehrlich: meistens geht es ja doch nur um Kleinigkeiten, oder? Irgend ein Teil in  den Keller tragen, Glühbirne wechseln, die Jacke in der Garderobe aufhängen, ein Telefonanruf, Papierkram, ausgeborgten Locher wieder  zurück an seinen Platz stellen, ….
Und der Grund für´s Aufschieben ist auch klar: Wir erkennen keinen unmittelbaren Vorteil für uns darin. All diese Dinge sind Pflichten, die kein anderer für uns erledigen wird. Und allein dieses „ich muss“ führt schon dazu, dass wir aber so was von absolut keine Lust dazu haben!

Vor einigen Jahren las ich das Buch Simplify your Life von Werner Tiki Küstenmacher. Darin fand ich einen ausgezeichneten Tipp gegen Aufschieberitis im Alltag: Die 30-Sekunden-Regel:

Die meisten alltäglichen Dinge, welche wir so erfolgreich vor uns herschieben, benötigen zu ihrer Durchführung nicht länger als 30 Sekunden. Und was bitte sind schon 30 Sekunden während eines ganzen Tages? Einer Woche? Eines Monats? … Also der Trick ist der: Tu es einfach. Jetzt gleich. Ohne darüber nachzudenken. Und zähl dabei die Sekunden mit. Ich wette, es werden meistens rund um die 30 Sekunden sein. Und beim nächsten Mal, wenn dich wieder diese Unlust überrollt („Mich freut´s jetzt aber nicht die Wäsche in den Kasten tragen“), führst du dir ganz bewusst vor Augen, dass es nur 30 Sekunden dauern wird, diese Aufgabe jetzt zu bewältigen. Nur 30 Sekunden, in denen du über deinen Schatten springst. 30 Sekunden.
Stress

Doch als Gegenleistung erhältst du das befriedigende Gefühl, diese eine Aufgabe erledigt zu haben. Jetzt. Und nicht morgen. Diese eine Aufgabe von deiner To-Do-Liste streichen zu können. Sofort. Diese eine erledigte Aufgabe bedeutet weniger Stress für dich.

Sobald ich jetzt zu einem Punkt komme, der mich nicht freut – z.B. bei einer kleinen Haushaltstätigkeit oder einer Terminbestätigung, dann nehm ich diese 30-Sekunden-Regel zur Hilfe. Ich überwinde mich einfach 30 Sekunden lang. Ist auch gar nicht so schwer. Was bitte sind schon 30 Sekunden während eines ganzen Lebens? Einfach lächerlich. Und danach bin ich stolz auf mich. Ich kann diese Aufgabe gedanklich abhaken. Kein Stress bei Einschlafen! Morgen werde ich nicht umgeben sein von ermahnenden Denkmälern meiner unerledigten Aufgaben!

Aufschieberitis blockiert Erfolgsdenken

Erfolgreiche Menschen sind einem Grundsatz treu:
                                                                                          How you do anything, is how you do everything. 

Ist doch nur logisch, oder? Wie soll man sich denn auf wirklich große und wichtige Aufgaben konzentrieren können, wenn schon die kleinen lästigen permanent Platz im Gehirn beanspruchen? Wie soll man große Projekte planen, Teams führen oder mehrere Organisationen koordinieren können, wenn man es nicht schafft, seine eigene kleine Welt tagtäglich halbwegs perfekt durch den Alltag zu steuern?

StressDas wird uns nicht von heute auf morgen gelingen. Es wird immer wieder Rückschläge geben. Manche Versuchungen sind einfach zu groß. Aber: Jede Reise – und sei sie noch so lang! – beginnt mit einem ersten Schritt. Also: starten wir erst mal mit der 30-Sekunden-Regel. Verbannen wir den abendlichen Gedanken-Stress aus dem Schlafzimmer, indem wir ihn nicht mehr mit unerledigten Aufgaben füttern. Und erleben wir, wie es sich anfühlt – jeden Tag ein paar kleine Erfolgserlebnisse – und dann …..

Also denkt immer daran: Nur wer sich verändert, bleibt sich selbst treu!

Eure Birgit Leonhartsberger

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.